Europäisches Kompetenzzentrum für CBRN & Medical Biodefense

Biodefense Modular Concept (BMC)

Sicherheitslösungen bei Aufkommen von vor allem biologischen Gefahren


Was macht biologische Bedrohungen so gefährlich? Es ist in erster Linie die „Unsichtbarkeit“ der biologischen Gefahr, die nötige Schutzmaßnahmen verzögern und Ängste in der Bevölkerung schüren kann. Ein neuartiges Virus etwa, das sich über Luftübertragung ausbreitet, kann zu einem exponentiellen Anstieg der Zahl der Infizierten führen, bis entsprechende Quarantäne- oder Abriegelungsmaßnahmen eingeleitet werden und diagnostische Tests, Therapeutika oder wirksame Impfungen zur Verfügung stehen.

Effizienter Schutz vor biologischen Gefahren basiert auf den Säulen Wissen, Prävention, Ausrüstung und Training. Mangelndes Allgemeinwissen über biologische Bedrohungen kann den entstandenen Schaden deutlich vergrößern. Fachlicher Austausch sowie internationale Vernetzung nehmen deshalb eine wichtige Schlüsselrolle ein. Initiativen zur Erhöhung biologischer Sicherheit von Einrichtungen, die mit gefährlichen Krankheitserregern arbeiten, sowie die Ausrüstung von kritischen Infrastrukturen und Institutionen für eine frühzeitige Reaktion auf eine biologische Bedrohung sind wichtige Vorsorgemaßnahmen.

Ziele

Die CBRN.ZONE hat sich zum Ziel gesetzt, systemrelevante Institutionen und Organisationen bei der Optimierung ihrer Sicherheitsstandards zu unterstützen und maßgeschneiderte Lösungen aus einer Hand anzubieten. Das Team besteht aus einem Expertennetzwerk, das sich aus den Bereichen Medizin, Molekulare Biomedizin, ABC-Abwehr, Feuerwehr sowie Hygiene und Forschung zusammensetzt. Die Berater kommen aus universitären, zivilen und militärischen Organisationen.

Szenarien und Anforderungen

Biologische Gefahren sind manigfaltig und benötigen unterschiedliche Lösungsansätze.

Szenario 1: Handelt es sich um einen Verdachtsfall auf eine Hochrisikoinfektion (z.B. Ebola) einer einzigen Person, so können derzeit bestehende HIT-Teams (Hochinfektionstransport-Teams) die Person rasch isolieren und sicher in die jeweilge Spezialklinik transportieren.

Szenario 2: Anders entwickelt sich die Situation beim Auftreten einer unklaren Hochinfektion, die sich rasch exponentiell ausweitet und lebensbedrohliche Symptome bei mehreren Personen verursacht. Es ist unerheblich, ob es sich dabei um ein neues pandemisches Virus handelt oder um eine absichtlich herbeigeführte Freisetzung von hochpathogenen Keimen (z.B. Pocken). Die Inkubationszeit beträgt meist mehrere Tage bis Wochen und erfolgt schleichend. Die Menschen werden in immer größerer Anzahl die Krankenhäuser aufsuchen und die verfügbaren Ressourcen zeitnah überlasten. In so einem Fall gilt es, rasch mobile Kapazitäten zu schaffen, um räumliche Strukturen aufzubauen, Triage zu betreiben, Isolation von infizierten Personen zu gewährleisten und medizinische Leistungen kurz- bis mittelfristig zu sichern. Im Fokus stehen der Schutz medizinischer Einrichtungen, Minimierung der Ansteckung weiterer Personen sowie Ausbau mobiler Impfzentren. Nicht vergessen darf man ebenfalls den Schutz an Flughäfen, Grenzübergängen, Bus- und Bahnhöfen, denn viele Menschen werden in Krisensituationen das Land verlassen wollen.

Szenario 3: Ein terroristischer oder kriegerischer Anschlag mit Biotoxinen wie beispielsweise mit Anthrax oder anderen biologischen Kampfstoffen erfolgt meist an menschenreichen Orten, um öffentlichkeitswirksam Angst und Panik zu verbreiten. Potentielle Gefahrenorte sind Flughäfen, Bahnhöfe, U-Bahn-Stationen, öffentliche Verkehrsmittel, Veranstaltungsorte oder das Stadtzentrum. Für dieses Szenario werden mobile Kapazitäten benötigt, die rasch am Ort des Geschehens zum Einsatz kommen können. Neben Triage-, Isolier- und medizinischen Behandlungsmöglichkeiten werden auch Dekontaminationszelte sowie ein mobiles Labor benötigt, um die biologischen bzw. chemischen Substanzen rasch analysieren zu können. 

Szenario 4: Nicht zuletzt sei erwähnt, dass auch Flüchtlingsströme und illegale Migration das Risiko von Pandemien erhöhen können. Mobile Auffangzentren mit Isolierzelten, Dekontaminationsduschen und Feldlazaretten sind wichtig zur Eindämmung biologischer Gefahren viralen und bakteriellen Ursprungs an den Landesgrenzen.

Lokale und mobile Lösungen

Der Schutz vor biologischen Gefahren kann in Form von standardisierten, externen, mobilen Strukturen gestaltet sein, als interne maßgeschneiderte Lösung oder als deren Mischform. Zu den erwähnten Kapazitäten gehören folgende Ausrüstungsgegenstände:

  • Persönliche Schutzausrüstung (Atemschutz, Schutzanzüge, Hand- und Fußschutz etc.)
  • Mobile Zelte und Zeltsysteme (Empfang, Triage, Isolierstation, Feldlazarett, Kommandozentrale etc.)
  • Dekontaminationsduschen bzw. -zelte (für Personen und Gerätschaft)
  • Isolator-Boxen und -lösungen (für rasche Personen- und Krankenbettisolation)
  • Bio-Boxen BSL 3/4 (als mobile Isolations-Intensivstationen)
  • Medizinische Ausrüstung und Medikamente
  • Mobile Labore (zur initialen Analyse von Schadstoffen und Biotoxinen)
  • Detektoren und Schnelltests (Spektrometer, Schnelltests für Biotoxine, Kampfstoffnachweise, Sprengstoffdetektoren etc.)
  • IT- und Kommunikationsequipment

Im Bezug auf personelle Ressourcen werden folgende Fachgruppen benötigt:

  • Führungspersonal
  • Medizinisches Personal (Ärzte, Sanitäter, Pflegekräfte)
  • Psychologisches Personal
  • Technisches Personal
  • Administratives Personal
  • Sicherheitspersonal
  • Personal mit Sonderqualifikationen (Desinfektoren, Lenker, IT-Spezialisten etc.)

Wenn Schutzmaßnahmen mittel- oder langfristig aufrechterhalten werden sollen, muss u.a. auch folgender Bedarf in die Planung einbezogen werden:

  • Energieversorgung
  • Lüftung, Heizung, Klimatisierung
  • Versorgung mit Lebensmitteln
  • Abfall- und Abwassermanagement
  • Lagerungsmöglichkeiten
  • Leichenmanagement
  • Logistik
  • Verkehrskonzept
  • Rekrutierung, Nachschub und Schulung von Personal


Je nach Bedarfsfall werden alle oder nur Teile dieser Ausrüstungs- und Personalressourcen benötigt. Das "Biodefence Modular Concept (BMC)" regelt diesen Bedarf je nach Ausgangslage und ermöglicht dadurch eine rasche Reaktion auf biologische Bedrohungslagen mit der Möglichkeit einer angepassten modularen Erweiterung der Schutzmaßnahmen.